Erste Pokalrunde geschafft!

Erste Pokalrunde geschafft!

Jeder Zuschauer, der durch die regelmäßige Teilnahme am wöchentlichen Spielbetrieb sein Bewusstsein für den Lieblingsballsport der Tonndorfer intensiv schärft, wird sicherlich schon einmal in den Genuss einer ganz besonderen Art von Kreis(ober)liga-Lyrik gekommen sein: Einschlägige Phrasen wie „Das Spiel lebt von Spannung“ und „Abgerechnet wird am Ende“ wirken häufig banal; könnten die erste Runde des Thüfleiwa-Junioren-Pokals der A-Junioren des SV 70 Tonndorf am Sonntag, den 03.10.21 gegen den  SG TSV 1865 Langewiesen, allerdings nicht pointierter beschreiben. Durch eine am Vortag getroffene und von etablierten Experten der Tonndorfer Fußballszene als „(…) deppsche Fehlentscheidung“ betitelte Schiedsrichter-Entscheidung und weiteren verletzungsbedingten Ausfällen, konnten einige zentrale Spieler des SV 70 an dieser Pokalrunde leider nicht teilnehmen. So war eine gewisse Grundspannung am Spieltag schon vor dem Anpfiff spürbar. Gemäß den Regeln fußballerischer Epik folgend, entwickelte sich der eigentliche Spannungsbogen allerdings erst im Verlauf der Partie: Der SV 70 Tonndorf etablierte in der ersten Hälfte dieses Pokalspiels eine herausragende Überlegenheit. Die Heimmannschaft startete sehr konzentriert, imponierte mit schnellem Spielaufbau und druckvollem Zusammenspiel. Trotz anfänglicher Pressing-Versuche  des  SG TSV 1865 Langewiesen, waren die Tonndorfer spielerisch gänzlich überlegen und tasteten sich dementsprechend kontinuierlich an ein frühes Führungstor heran. Dieses fiel, nach einer zunächst souverän geklärten gegnerischen Ecke und einem daraus folgenden Konter, durch einen Präzisionspass von Carlos Kühnemund durch die gegnerische Abwehr auf Kimi Stephan in der 9. Minute. Knapp 10 Minuten später erspielte sich auch die gegnerische Mannschaft mühselig einen Torabschluss, der allerdings durch eine glänzende Parade des Tonndorfer Torwartes Lukas Unrein pariert werden konnte. Trotz eines frühen Wechsels des SG TSV Langewiesen – Luca Köllmer ersetzte Jonas Muth – setzten die Tonndorfer ihr ansehnliches Kombinationsspiel fort. Die wenigen konsequent ausgespielten Konter der Gastmannschaft wurden durch gutes Stellungsspiel des SV 70 schon im Entstehungsprozess verhindert. Aus dieser Grundkonstellation ergaben sich noch einige bemerkenswerte Torchancen für die Heimmannschaft, unter anderem durch einen leider etwas verzogenen Abschluss von Jacob Graf, welche allerdings durch den erwähnenswert starken gegnerischen Torwart, Jonas Vock, pariert werden konnten. Kurz vor dem Halbzeitpfiff etablierte die Heimmannschaft dann womöglich die bezeichnende Ausgangssituation für die zweite Spielhälfte: Nach einem langen Abschlag des Tonndorfer Torhüters, verlängerte Carlos Kühnemund den Ball über die gegnerische Abwehr und Jacob Graf verwandelte diesen durch einen flachen Präzisionsschuss zum 2:0. Um erneut stellvertretend die Tonndorfer Stadion-Lyrik zu zitieren – „(…) wer von denen soll denn nu´ noch ein Tor schießen?“ – war ein Großteil der Zuschauertribüne zu Beginn der zweiten Spielhälfte der festen Überzeugung, dass die A-Junioren sich nun zügig den ersten Sieg der Pokalrunde sichern würden. Aber auch auf dem Fußballfeld sorgen Überraschungsmomente für spannungsgeladene Höhepunkte: Zunächst senkte sich eine missglückte Flanke durch Nils Seidler als abgerutschter Freistoß in die lange Ecke des Tores zum 2:1. Dann folgte wenig später ein Sonntagsschuss durch Luca Heubach, der das 2:2 besiegelte. Nach diesem sehr plötzlichen Ausgleich wirkte die Heimmannschaft kurzzeitig konditionell geschwächt, nicht gut organisiert und wenig vertraut mit dem gewohnten Kombinationsspiel. Erstaunlicherweise schien sich die Ruhe des, normalerweise eher emotional beteiligten Trainers des SV 70, zügig auf die Mannschaft zu übertragen: Es folgten wieder einige ansehnliche Ballstafetten – erwähnenswert vor allem die Aktion von Jonas Graf – der, um den direkten Körperkontakt zu vermeiden, den Ball auf der Außenbahn clever stoppte und in dessen Folge der Gegenspieler, der gänzlich auf den Zweikampf aus war, wenig anschaulich zu Boden fiel. Nichtsdestotrotz kam es dann durch ein Fehlverhalten des heimischen Torwartes und einem daraus folgenden indirekten Freistoß zu einem letzten möglichen Wendepunkt dieser spannungsgeladenen Partie. Allerdings zeigte der SV 70 auch in der Klärung dieser Situation seine Überlegenheit. Die Heimmannschaft vollzog dann in der 80. Minute, mit der Einwechslung von Luis Menge, einen letzten cleveren Schachzug: Dieser chipte den Ball mit viel Gefühl von der rechten Seite in die Mitte des gegnerischen Strafraums, wo Julian Lerche geschickt mit dem Kopf zum 3:2 verwandelte und damit die gesamte Zuschauertribüne von der Last der andauernden Spielspannung befreite. Dieses gänzlich überlegene erste Pokalspiel der A-Junioren des SV 70 Tonndorf verdeutlicht den Charme eines ansehnlichen fußballerischen Schauspiels und schafft, fernab von kommerzialisierten und überstrengen Abläufen, viel Raum für fußballerische Freidenker und hoffentlich weitere einschlägige  (und humorvolle) Rasenplatz-Lyrik.

SV70 Tonndorf – FSV Fortuna Hopfgarten 4: 0
SV70 Tonndorf – SV Einheit Legefeld 1: 1

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